Heimat-Tag ist Heimat-Dank
Der Begriff „Heimat" hat in
unseren Tagen gottlob vieles von dem verloren, was in unseliger Zeit als „Blut-
u. Boden" Romantik politisch missbraucht wurde. Erst zögernd, dann aber in
bewusster Erkennung der Werte - nicht allein Werte des Gemütes -näherte man
sich wieder dem Heimatgedanken in seiner Ursprünglichkeit, wobei zwar Geschichte
und Brauchtum Bestandteile waren, aus denen es Erkennen und Erkenntnisse zu
schöpfen gab. Jedoch wesentlich sind für unsere Generation heute die Folgerungen,
die daraus für die Gegenwart wie für die Zukunft gewonnen werden können.
Als vor gut zehn Jahren der
Heimatverein Möhnesee gegründet wurde, glaubten wohl einige, da habe sich
ein Klübchen unentwegter Heimattümler zusammengetan; ein harmloser Verein,
den man eben zur Kenntnis nahm. Mancherorts hätte man ihn auch so gerne gesehen.
Doch die Wirksamkeit dieser wachsenden Vereinigung zeigte schon in den ersten
Jahren deutlich, worum es ihr und dem klugen und durchaus real denkenden Vorsitzenden
ging: Bewährtes bewahren, die Umwelt zu schützen und der Verschandelung des
Heimatgebietes, in welcher Form sie sich auch bemerkbar machte, entgegen zu
wirken. Und hier begnügten sich Vorstand und Mitglieder nicht mit schönen
Worten und vielversprechenden Resolutionen. Im Interesse des Gemeinwesens
der 1969 gebildeten Großgemeinde Möhnesee griffen sie resolut da ein, wo schädliche
Neuerungsideen und falsch verstandene Modernität allzu üppig ins Kraut zu
schießen drohten. Man forderte sich selbst und stellte Forderungen. Die Erfolge,
die man nach einem Jahrzehnt steten Wirkens verbuchen konnte, sind ermutigend.
Der Arbeitskreis Geschichte und Brauchtum im Heimatverein Möhnesee hat mit
den Heimat-Tagen, wie sie in den einzelnen Ortsteilen der Großgemeinde in
einem zweijährigen Rhythmus stattfinden sollen, etwas Besonderes im Sinn.
Zunächst erhofft er dadurch ein gewissermaßen geistiges Näherrücken der Dörfer
und Gemeinden, die um das alte Kirchspiel Körbecke ja ziemlich weitläufig
gruppiert sind. Damit sollen sich auch die Bürger näherkommen und so ein besseres
Verständnis für die jeweiligen Belange und mehr Kenntnis-Austausch über die
gemeinsame Geschichte bewirkt werden. Bisher konnte eine geschlossene Chronik
der Großgemeinde noch nicht erstellt werden; nun ist sie an Jahren gemessen
auch noch recht jung. Dagegen haben Gemeindezentrum - das Kirchspiel Körbecke
also, und die seit 1969 zugehörigen Ortsteile einen ausgeprägten Bezug zur
Geschichte; einer Geschichte, die sich am Beispiel Wamel bis zum 13. Jahrhundert
und sogar noch weiter zurückverfolgen lässt. Vieles ist im Laufe der Zeit in
den einzelnen Ortsteilen auch schon gesammelt und zusammengetragen worden,
das dem Geschichtsbild unserer Heimat einiges an Konturen zu geben vermag.
Auf das ganze Gemeindegebiet bezogen ist es aber mehr oder weniger Stückwerk
geblieben. Darum hat sich der Arbeitskreis Geschichte und Brauchtum die Aufgabe
gestellt, in einer Gesamt-Chronik das Geschichtsbild zu vervollständigen.
Das lässt sich allerdings nicht von heute auf morgen verwirklichen. In den
Heimat-Tagen sieht man aber eine gute Möglichkeit, geschichtsbewusste Mitbürger,
vor allem die Alteingesessenen, für eine Mithilfe zu aktivieren. Sei es, dass
sie alte in ihrem Besitz befindliche Urkunden, vielleicht auch Sammlungen,
alte Fotos für diesen Zweck zu Verfügung stellen, oder aus ihrer Erinnerung
Überliefertes festhalten, um den Plan, der wohl allen Heimatfreunden am Herzen
liegt, zu unterstützen. Denn so betrachtet, ist Heimat-Tag auch Heimat-Dank.
Heimat ist schließlich nicht
nur ein Stück Geographie. Was als Heimat empfunden wird, wurde im Laufe der
Jahrhunderte von Menschen geprägt, ges taltet und der Lebenshaltung vieler
Generationen angepasst. Heimat hat aber auch die Menschen geprägt und ihnen
Rückhalt gegeben, ihre Kräfte mobilisiert und ihr Dasein bereichert. Und für
alle, die von ihrem Heimatort getrennt in einer anderen Umwelt, ob nah oder
fern, leben, besteht immer die Bindung an die Heimat, der sie mit der Zuneigung
auch ihre Erinnerungen bewahrt haben. Ihnen vor allem wird Heimat-Dank geläufig
sein.
Der Heimat-Tag Wamel 1985 wird
vieles anklingen lassen, das in den zurückliegenden Zeiten bis zu unseren
Tagen für das Dorfleben bedeutend war und noch ist. Eine Ausstellung in der
vor einigen Jahren erweiterten Schützenhalle gibt hiervon ein eindrucksvolles
Bild. Die vorliegende Schrift soll sie ergänzen. Dabei wird man um des besseren
Verständnisses wegen auf bestimmte Auszüge aus der Dorfchronik „Wamel - unser
Dorf", die 1977 zum 150jährigen Jubiläum von der Schützenbruderschaft St.
Hubertus herausgegeben wurde, nicht verzichten können, zumal diese Veröffentlichung
vergriffen und kaum einem mehr zugänglich ist.
Bei allem soll der tiefere Sinn des Heimat-Tages "85 nicht vergessen werden.
Er muss auch ein Tag des Dankes sein; Dank den Vorfahren, die sich kraftvoll
und mit ganzem Herzen für die Heimat eingesetzt haben, beseelt von einem wachen,
gottesfürchtigen Geist. Dank der Heimat, die uns, den Heutigen, in einer zwiespältigen
Welt noch immer Geborgenheit gibt.
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